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Date: 2001-10-20

DE: Schily und die verquere Logik


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Der derzeitige Parade-Hardliner und Aushängeschild
der Kontroll/Süchtigen, Innenminister Otto Schily,
hat Probleme mit der Logik:

Er will eine "zügige" Legalisierung von Geräten,
die er - wenn es nach ihm geht - in Zukunft gar
nicht braucht: die Mythen-umrankten IMSI-Catcher.

Dass er in seinem "zweiten Sicherheitspaket"
Internet-Nutzern und Telebankern genauso auf die
Zehen trampelt wie Handy-Benutzern, ist
mittlerweile ja schon (fast) nicht mehr erwähnenswert.

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Das G'schichterl über die IMSI-Catcher im sogenannten
"Otto-Katalog" zeigt deutlich, wie sich die
Lauscher, rein technisch, selber rechts überholen
und es nicht mal merken:

Zitat aus dem 'Spiegel':

"Berlin - Fahnder rühmen das 100.000 Mark teure, reisekoffergroße
Gerät als Geheimwaffe gegen das Verbrechen. Mit dem so genannten
IMSI-Catcher lassen sich Aufenthaltsort und Identität von Handy-
Benutzern auch dann ermitteln, wenn sie ihr Mobiltelefon anonym
erworben oder unter falschem Namen angemeldet haben.

Juristen und Datenschützer dagegen kritisieren seit Jahren, dass
es an einer Rechtsgrundlage für einen Einsatz der Hightech-Wunderbox
fehle. Jetzt will Innenminister Otto Schily den Streit beenden: Ein
bislang nicht publik gewordenes Kapitel seines "zweiten
Sicherheitspakets", das SPIEGEL ONLINE vorliegt, sieht eine "zügige"
Legalisierung des Gerätes vor."

Was daran Bockmist ist:

Das gute Ding, seit Jahren bekannt, wird
herstellerseitig gelegentlich als 'mobile Basisstation"
bezeichnet. Damit ist schon klarer, was es tut: Es
schummelt sich als gefälschte Basisstation ins
Netz, bietet im engen Umkreis den besten
Empfang,und veranlasst Mobilgeräte daher, sich bei
der Fälschung einzuloggen. Als wesentliche
Funktion fordert das Gerät die irregeleiteten
Handys auf, die Sicherungsmaßnahmen auf Minimum zu
schalten - sprich, mitlauschbar zu senden. Die zu
catchende IMSI (International Mobile Subscriber
Identity) ist schlicht die unique Number der
SIM-Karte (nicht Telefonnummer).

Einziger brauchbarer Einsatzzweck: Den Lauschern
das Mithören auch in Situationen zu ermöglichen,
in denen sie nicht die BERECHTIGUNG haben, dies
ganz legal und bequem über die Handy-Zentralen zu
tun. Alle, absolut alle Informationen, die sich
mit einem IMSI-Catcher gewinnen lassen, können
auch über den Netzbetreiber ermittelt werden.
(Wenn man mal von Mini-Details wie einer allfällig
etwas exakteren Lokalisierung der Mobiltelefone im
Meter-Bereich absieht.)

Womit sich die strenge logische Frage von selbst
ergibt: Sollten die gewünschten Fahndungsmethoden via
Netzbetreiber durchgehen, können die Fahnder ihre
Tätigkeit bequem vom Bürostuhl aus erledigen. Dann
gibt es kein unnötigeres Gerät als die Catcher,
und seien sie noch so zügig legalisiert. Wozu dann
also?

Harmlose Antwort: Schily hat sich beim unbedarften
Fummeln in der HiTech von den dahinterstehenden
Pressure-Groups so konfus machen lassen, dass er
die Hirnrissigkeit der ganzen Aktion gar noch
nicht überringelt hat.

Bösartige Antwort: Den Herrschaften ist klar, dass
sie nicht alles, was sie wollen, bewilligt
bekommen. Also nutzen sie das günstige
Zeitfenster, sich noch kurz vor Ladenschluss etwas
legalisieren zu lassen, das per se für den
ungesetzlichen Einsatz konzipiert ist. Um dann in
Folge jederzeit darauf hinweisen zu können, ja
ohnehin nur legale Mittel anzuwenden.

Taktische Antwort: Legale Catcher bieten die
technische Möglichkeit, den hinhaltenden
Widerstand der Netzbetreiber unterlaufen zu
können. Diese wehren sich ja aus primär pekuniären
Gründen massiv gegen HiTech-Überwachungsschnittstellen.

Als Treppenwitz dabei mag gelten, dass die Techniker eine
Riesenfreud mit den Dingern haben, die ihnen die
ohnehin filigrane Netzlogistik ordentlich
durchbeuteln.

Quellen:

Handys, Internet und Telebanking im Visier Teil 1
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,163333,00.html
Handys, Internet und Telebanking im Visier Teil 2
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,163333-2,00.html
"Ich will gelobt werden!"
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,163269,00.html

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Comments and relayed by: bademeister@quintessenz.at
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edited by Harkank
published on: 2001-10-20
comments to office@quintessenz.at
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